Geschichte

Name:

Lingenfeld stammt vermutlich von Siedlung „am langen Feld".

Erste Benennung

in einer Urkunde von 1063 als „Lengenveld".
Nachbargemeinden: im Norden Römerberg, im Westen Schwegenheim u. Westheim, im Süden Germersheim.

Gesamtfläche

1531 ha oder 15 qkm. In den vergangenen Jahrhunderten verursachte der alte Rheinlauf durch Unterspülung vom Hochufer den Verlust von ca. 250 ha Land..

Länge der Ortsstraßen- bzw des Kanalnetzes:

Stand 2004 ca. 20,866 km

Länge der Gemarkungsgrenze mit allen Unregelmäßigkeiten:

ca. 25 km

Verwaltung:

Bis zur rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform 1972 eigenständige Ortsgemeinde. Seit dem Zusammenschluss der Gemeinden Lingenfeld, Westheim, Lustadt, Schwegenheim, Weingarten und Freisbach als „Verbandsgemeinde Lingenfeld" der Verbandsgemeindeverwaltung unterstellt

Älteste Funde:

Südlich der Obergartenstraße, Nachweis einer Besiedelung aus der Hallstatt-La Tene-Zeit, ca. 1200 bis 500 v. Chr.

Funde aus der Römerzeit:

Tonbergwerk am Brünnelsberg, Überreste einer kleinen Siedlung in der Gewanne Fritzenring, Werkzeug- und Gläserfunde in der Kirschenalle, Röm. Sigillata Henkelkrug vom Oberwald, Reste einer Straße am Wingertsbuckel

Frühere Besitzer vom Dorf:

seit ca. 1290 bis 1404 die Herren von Ochsenstein, von 1404 bis 1485 je zur Hälfte die Herren von Ochsenstein und das Hochstift Speyer; 1485 erwarb die Kurpfalz den Teil der Herren von Ochsenstein, das Hochstift Speyer behielt seine Hälfte bis 1709. 1709 übernahm die Kurpfalz den Teil des Hochstiftes Speyer und war somit alleiniger Besitzer

Verwüstungen in den vergangenen Jahrhunderten:

Erste bekannte Verwüstung im Jahr 1375 bei der Fehde zwischen den Städten Mainz, Worms und Speyer gegen den Leininger Grafen Emich. Im 30-jährigen Krieg von 1618 bis 1648 war das Dorf fast vollständig zerstört und die Bewohner verstorben oder geflohen. 1676: Bei der Belagerung der Festung Philippsburg durch französische Truppen ausgeplündert und bis auf ein Haus und die Kirche abgebrannt; 1793/94: Einquartierte französische Revolutionstruppen brannten das Pfarrhaus ab, zerstörten das Rathaus, stahlen die Kirchenuhr und die Kirchenglocken.

Schulgeschichte:

Schulunterricht ist seit 1515 nachweisbar. Das erste Schulhaus, Ecke Obergartenstraße – Hohesteggasse, einstöckiger Fachwerkbau nach 1700 gebaut mit einer Schulstube und Lehrerwohnung. 1823: Neubau einer zweistöckigen Schule auf dem Platz vor dem Eingang der Verbandsgemeindeverwaltung; 1938: Abriss der alten Schule von 1823 und Neubau einer Schule, heute Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung; 1967: Aufgabe der alten Schule von 1938 und Neubau einer Volksschule auf dem heutigen Schulgelände;1975: Bildung der Verbandsgemeinde, Einrichtung der Hauptschule für die Kinder von Westheim, Schwegenheim und Lingenfeld; 1981: Neubau der Hauptschule auf dem Schulgelände; 2002: Neubau der Grundschule auf dem Schulgelande

Bevölkerungsentwicklung:

1480 ca. 180 Einwohner
1530 ca. 180
1705 ca. 257
1742 ca. 500
1771 ca. 585
1806 ca. 871
1833 ca. 1229
1890 ca. 1556
1925 ca. 2270
1953 ca. 3000
1967 ca. 3740
1977 ca. 4172
1984 ca. 4055
2001 ca. 5473
2004 ca. 5870
2011 ca. 5824

2016 ca. 6124

Katholische Pfarrkirche St. Martinus:

1318: Erste Benennung einer Martinus-Kapelle. 1413: Lingenfeld, Filiale von Westheim, ersetzte die alte Martinuskapelle durch eine neue Pfarrkirche St. Martinus. 1483: Trennung von der Mutterkirche Westheim, Lingenfeld wird eigene Pfarrei. Während der Reformation wurde ab 1571 die kath. Pfarrei reformiert und die Pfarrkirche den Reformierten übertragen. 1682: Unter französischer Verwaltung kommt die Pfarrkirche wieder in Besitz der Katholiken. Die Pfarrei wurde von Germersheimer Franziskanern betreut. Ab 1736 ist St. Martinus Pfarrei mit eigenem Pfarrverweser. 1754: Erneuerung der im 30-jährigen Krieg weitgehend zerstörten und notdürftig in Stand gehaltenen alten, inzwischen baufälligen Kirche. 1837 bis 1840 Neubau der jetzigen Pfarrkirche.

Evangelische Christuskirche:

Am 27. Mai 1973 Einweihung der neuen Christuskirche für die Lingenfelder Protestanten

Friedhof:

Seit Bestehen einer Kapelle bis zum Jahr 1795 Friedhof um die Kirche. Von 1795 bis 1808 an der Ecke Lauxengarten – Germersheimer Straße. Ab 1808 an der Speyerer Straße östlich dem heutigen Friedhof. Mitte der 30-er Jahre Verlegung auf das heutige Areal.

Bahnanlagen:

1885 Inbetriebnahme der eingleisigen Bahnstrecke Speyer – Germersheim, ab 1905 zweigleisig; ab 1872 Bahnstrecke Germersheim – Landau in Betrieb.

Bachläufe:

Drußlach und Gnadenbach durchziehen die Gemarkung. Die Drußlach fließt nach Ableitung aus der Queich bei Hochstadt in der südlichen Gemarkung in den Rhein.
Der Gnadenbach kam als Entwässerungsgraben, der inzwischen versiegt ist, ursprünglich von Bornheim. Heute wird der Gnadenbach, auch Horebach oder Dorfgraben, mit Wasser aus einer Ableitung vom vorgenannten Fuchsbach in Zeiskam gespeist. Ab 1321 wurde der vor Mechtersheim in den Rhein fließenden Bach nach Mechtersheim zum Antreiben einer Mühle umgeleitet. Seit einem Rheinabbruch im 17. Jahrhundert fließt der Bach in der Nähe des Bahnhofs in den Rhein.

Kerwe:

Der alte pfälzische Brauch der Kirchweih wird alljährlich am 3. Sonntag im September auf Rathausvorplatz „Lingenfelder Kerwe" gefeiert.

Straßenfest Lingenfeld:

Seit der Inbetriebnahme der Ortsumgehung B 9 im Dezember 1984 veranstalten seit 1985 die Lingenfelder Vereine und Gastronomen unter der Führung der Ortsgemeinde am letzten Juliwochenende das über die Grenzen der Verbandsgemeinde hinaus bekannte „Lingenfelder Straßenfest".
Alfons Heil für den „Förderkreis Heimatmuseum der Ortsgemeinde Lingenfeld" (8/2002)